Die konstruktive Ruheposition

Teil 3

Die Kreise der Aufmerksamkeit erweitern

 

Stell Dir vor, Du hättest eine Kamera an der Decke aufgehängt, durch die Du selber hindurch siehst. Du siehst Dich in dem Raum liegen, aber mit genügend Abstand, sodass Du Dich selbst, Deine Gedanken, Gefühle und Sorgen von einem anderen Punkt aus betrachtest. Du liegst dort auf dem Boden und betrachtest Dich von oben.

 

Das ist anfangs gar nicht so einfach. Wenn es Dich zu sehr anstrengt, amch eine Pause und versuch es später noch einmal.

 

Deine Gedanken werden in jedem Falle wegdriften, aber sie haben nun einen Punkt, an den sie zurückkehren

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können. Und je öfter Du mit dieser Idee experimentierst, desto länger wirst Du Dich von oben betrachten können.

 

Dieses Betrachten ist ein wertfreies Betrachten, eines, das nicht berwertet oder unrteilt, Du nimmst nur wahr. Der Abstand tut ein Übriges, um das zu ermöglichen.

 

Was passiert, wenn Du das tust? Was macht dieser Abstand? Gibt er Dir Raum oder macht er Dich klein? Ist das wertfreie Betrachten überhaupt möglich? Was passiert mit Deinen Gedanken, Deine Gefühlen, Deinem Körper? Verlierst Du durch diese Überlegungen wieder die Kamera? Und ist das schlimm?

 

Nach einer Weile erweitere die Linse der Kamera: Nimm

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den ganzen Raum wahr mit seinen Farben, seiner Größe, seinen Gerüchen und Geräuschen. Was kannst Du allesda oben sehen? Was zieht Deine Aufmerksamkeit auf sich? Versuch, einen weiten und weichen Blick für Deine Umgebung zu haben. Nimm Dich selbst in dieser Umgebung wahr.

 

Wie fühlst Du Dich in dieser Umgebung? Sicher, warm, geborgen, unsicher, fremd...? Was macht diese Erweiterung mit Dir? Macht sie Dich ruhiger, unruhiger, sicherer, neugieriger, lenkt sie Dich ab...?

 

Jetzt vergrößern wir den Radius noch etwas: Was von der Welt außen nimmst Du wahr: Geräusche (Autos, Regen, Lachen, Gespräche...), Licht (scheint die Sonne und von

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welcher Seite, gibt es Schatten von Bäumen...?), gibt es ein Fenster in dem Raum und kannst Du durch das Fenster sehen? Du selbst liegst in dieser Umgebung. Du bist geschützt in dem Raum, aber die Welt draußen existiert auch. Ist sie bedrohlich, beruhigend, interessant...? Was passiert, wenn Du sie mit einbeziehst?

 

Wenn Du willst, kannst Du die Kamera auch auf die ganze Welt einstellen: Du in dieser Welt.

 

Was verändert diese Einstellung, dieser Gedanke? Du bist ein Teil dieser Welt mit allen ihren Menschen. Ländern, Regionen, Meeren, Höhen und Tiefen. Und diese Welt schwebt im Weltall. Ist dieser Gedanke eine Beruhigung?

 

 

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Kommen wir zurück zu der Einstellung, in der Du nur Dich gesehen hast.Von dieser Einstellung aus kannst Du die Kreise größer werden lassen und wieder kleiner. Deine Aufmerksamkeit wird fokussiert oder erweitert. Der Abstand und der Blickwinkel hinter der Kamera ermöglichen ein wertfreies Betrachten des Ganzen. So können wir Dinge sehen, vor denen wir vielleicht eigentlcih Angst haben, oder Dinge, die wir gerne verstecken. Und in diesem Kontext sind sie da, ohne dass wir ihnen zu nahe kommen oder sie uns. Wir sind hinter der Kamera, sicher und betrachtend. Wir sehen ohne zu verletzen oder verletzt zu werden. es ist eine Art des Umgangs mit sich selbst, die durch den Abstand/Blickwinkel neue Sichtweisen zulässt und dadurch Veränderungen ermöglicht.

 

Vielleicht bist Du vollkommen zufrieden mit dem, was Du da siehst, fühlst Dich wohl, geborgen, glücklich. Dann kannst Du diesen Zustand genießen und Dich darin

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Vielleicht bist Du vollkommen zufrieden mit dem, was Du da siehst, fühlst Dich wohl, geborgen, glücklich. Dann kannst ausbreiten.

 

Wenn Du etwas siehst, was Dir nicht gefällt, wenn Gefühle oder Gedanken hochsteigen, die aunangenehm sind oder erdrückend oder gefährlich, dann hilft Dir der Abstand, sie gleichmütiger zu betrachten, sie vielleicht in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Oder der Absrand nimmt ihnen schlicht die Schärfe und erleichtert so den Umgang mit ihnen.

 

In jedem Falle ist es eine schöne Übung für den Umgang mit sich selbst und mit den anderen in dieser Welt, denn Du kannst sie, mit etwas Übung, auch im normalen Alltag

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benutzen. Sie macht wacher, lässt einen anderen Blickwinkel zu, verurteilt weniger die Fehler an einem selbst und an anderen, sie erleichtert es, den Überblick zu behalten, wenn das Leben mal etwas schneller vonstatten geht, sie schafft den nötigen Abstand, wenn uns etwas oder jemand zu nahe tritt, oder wenn wir selbst in unseren Gefühlen oder Gedanken gefangen sind.

 

Es ist eine Möglichkeit des anderen Umgangs mit der Welt, in der wir leben.

 

Sie macht Spaß, beruhigt, macht neugierig, setzt die Dinge vielleicht wieder in den richtigen Zusammenhang. Wir finden einen besseren Zugang zu uns selbst ohne uns in uns selbst zu verlieren.

 

 

Die konstruktive Ruheposition

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Mit Sicherheit entwickelst Du noch viel mehr Ideen zu diesem Thema, denn es ist unglaublich faszinierend hinter der Kamera zu stehen und jeder, der es versucht und damit experimentiert, findet dort etwas, was nur er persönlich dort finden konnte.

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